Tigerjäger/Jägertiger

eine Postkartengeschichte vom 1. Mai 2009 nachgereicht


Es war Nacht und es war Paarungszeit und so kam es, dass die Tiger, nun, „es“ taten und sich der Gefahr, in der sie schwebten, nicht im Geringsten bewusst waren.

Richard, genannt Rik, fühlte sich seinerseits nicht im Geringsten schuldig, als er seine Flinte, eine mit geätzten Silberblechen verzierte Purdey mit Kipplauf und poliertem Schaft aus Wurzelholz, ein Geschenk seiner Mutter, auf die beiden prächtigen Raubkatzen anlegte.

Das hier ist für dich John, schoss es ihm wohl durch den Kopf, als er den Abzug betätigte.

Für dich und dein bescheuertes Lied.*

 

Was dachten die Tiger? Nun, Tiger denken nicht in unseren Kategorien. Vielleicht dachten sie ja so etwas wie: „Mi-Aua!“ Der Knall alleine war auf jeden Fall schon fürchterlich genug für die empfindlichen Ohren, und da der Jäger sein Handwerk leider nicht verstand, war der obere Tiger, das Männchen, zwar blutend auf der Lichtung verblieben, aber noch lebte er,

der andere Tiger, das Weibchen, war jedoch mit einem tigerhaften Satz im Unterholz verschwunden. Rik legte wieder an und gebrauchte in aller Seelenruhe die zweite Ladung der Purdey auf das Männchen, welches nun mit einem unbeschreiblichen Sterbenslaut in die Knie ging und verging.

Ha, wenn John das doch noch miterlebt hätte. Er, Rik, konnte Tiger auch ohne Elefanten und ohne mütterliche Unterstützung erledigen.

Das wiederum sollten seine letzten Gedanken sein, jedenfalls die letzten kohärenten und zitierfähigen Gedanken, denn das Weibchen hatte sich mitnichten aus dem Staub gemacht, oh nein. Tyger, Tyger, burning bright in the forest of the night. Es hatte sich nach Tigerart an den Mörder seines Partners herangeschlichen. Ein kurzer Sprung, ein Biss, aus die Maus.

Es bleibt nicht viel zusagen.

So hat’s sich zugetragen.

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* gemeint ist "The Continuing Story of Bungalow Bill"

 

croicell
derdichtedichter auf Qype

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